Fluglotsen in der Schweiz: So sichern sie täglich den Verkehr im Luftraum
von belmedia Redaktion Allgemein Arbeitswelt Betrieb News Sicherheit Technologie
Fluglotsinnen und Fluglotsen – in der Schweiz offiziell Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleiter – gehören zu den Schlüsselpersonen des Luftverkehrs: Sie sorgen dafür, dass sich Flugzeuge am Boden und in der Luft jederzeit mit sicherem Abstand bewegen und der Verkehr geordnet und effizient fliesst.
In der Schweiz übernimmt Skyguide diese Aufgabe im gesamten schweizerischen und angrenzenden Luftraum und sichert jedes Jahr eine grosse Zahl ziviler und militärischer Flüge.
Auftrag: Sicherheit im Luftraum
Die Kernaufgaben von Fluglotsen lassen sich in fünf Punkte gliedern: Zusammenstösse zwischen Luftfahrzeugen verhindern, Kollisionen auf Rollwegen und Pisten vermeiden, einen geordneten und zügigen Verkehrsfluss aufrechterhalten, Piloten mit Informationen und Anweisungen für einen sicheren Flug versorgen sowie Not- und Rettungsdienste bei Zwischenfällen koordinieren. Im Tower eines Flughafens kommen weitere Verantwortlichkeiten hinzu: Start- und Landefreigaben, das Steuern von Bewegungen auf Rollwegen und Pisten sowie das Koordinieren von Bodenverkehr mit Follow-me-Fahrzeugen und Einsatzdiensten.
Fluglotsen arbeiten dazu mit modernen Radar-, Funk- und Navigationssystemen, behalten gleichzeitig aber immer das grosse Ganze im Blick. Ein Funkspruch kann etwa die Anflugreihenfolge verändern, eine Wetterfront zwingt zu neuen Routen, eine gemeldete Drohne erfordert sofortige Abstimmung mit Polizei und Flughafenbetrieb – in allen Situationen haben Sicherheit und klare Kommunikation höchste Priorität.
Tower, Anflug und Center
Je nach Einsatzort unterscheiden sich die Aufgaben deutlich. Grundsätzlich wird zwischen Tower-Lotsen, An- und Abfluglotsen (Approach/Departure) und Center-Lotsen in Kontrollzentralen unterschieden.
- Tower-Lotsen steuern den Verkehr unmittelbar am Flughafen: Sie erteilen Start- und Landefreigaben, ordnen die Reihenfolge der Bewegungen auf den Pisten und koordinieren das Rollen der Flugzeuge zwischen Standplätzen, Pisten und Rollwegen.
- An- und Abfluglotsen arbeiten meist in einer Anflugkontrolle und überwachen die Flugzeuge im Nahbereich des Flughafens auf dem Radar. Sie führen ankommende Maschinen in definierten Anflugkorridoren auf den Endanflug und staffeln abfliegende Flugzeuge so, dass sie sicher in den überregionalen Luftverkehr eingegliedert werden.
- Center-Lotsen in Kontrollzentralen sind für den Überflugverkehr in höheren Flugflächen zuständig und sorgen dafür, dass sich Flugzeuge auch auf langen Strecken nicht in die Quere kommen.
An grossen Flughäfen wie Zürich sind im Tower typischerweise mehrere Fluglotsen gleichzeitig im Einsatz, die unterschiedliche Rollen übernehmen – etwa für Start- und Landebahn, Rollwege und Koordination. Gearbeitet wird in Schichtsystemen mit klar geregelten Pausen, damit die Konzentration auch über lange Tage hinweg hoch bleibt.
Ausbildung und Anforderungen in der Schweiz
In der Schweiz bildet Skyguide die Flugverkehrsleiterinnen und Flugverkehrsleiter an einer eigenen Academy aus. Die Ausbildung dauert insgesamt rund drei Jahre und gliedert sich in einen theoretischen Teil und eine intensive praktische Phase.
- Im Basic Training stehen Fächer wie Aerodynamik, Flugzeugtechnik, Meteorologie, Navigation, Flugsicherungstechnik, Luftraumstruktur sowie Funkverfahren auf dem Programm.
- Parallel lernen die angehenden Lotsen in Simulatoren, komplexe Verkehrssituationen zu meistern, Funksprüche präzise zu formulieren und unter Zeitdruck die richtigen Entscheidungen zu treffen.
- In der anschliessenden On-the-Job-Ausbildung arbeiten sie an ihrem zukünftigen Standort – etwa an einem Tower oder in einer An- und Abflugkontrolle – unter Anleitung erfahrener Instruktoren und übernehmen schrittweise Verantwortung für echte Flüge.
Die Zugangsvoraussetzungen sind hoch: Gefordert werden in der Regel eine Matura oder eine abgeschlossene Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis, ein Alter im jungen Erwachsenenbereich bei Ausbildungsbeginn, sehr gute Englischkenntnisse, logisches Denken, Belastbarkeit, Teamfähigkeit und ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein. Für die militärische Flugsicherung ist die Schweizer Staatsangehörigkeit zwingend, für die zivile Flugsicherung kommen in der Regel Personen mit Schweizer oder EU-/EFTA-Hintergrund beziehungsweise entsprechender Bewilligung infrage.
Technik im Dienst des Menschen
Fluglotsen arbeiten an Arbeitsplätzen, die von Bildschirmen, Radaranzeigen und Kommunikationssystemen geprägt sind. Moderne Systeme stellen Flugwege, Flughöhen, Geschwindigkeiten und weitere Daten in Echtzeit dar und unterstützen bei der Erkennung potenziell kritischer Situationen. Trotzdem bleibt der Beruf stark menschenzentriert: Entscheidend sind Wahrnehmung, Urteilsvermögen und Kommunikation der Lotsinnen und Lotsen.
Digitale Assistenzsysteme können Konfliktwarnungen geben oder Vorschläge für optimale Staffelungen machen. Gleichzeitig müssen Fluglotsen in der Lage sein, bei technischen Störungen auch mit reduzierten Mitteln – etwa mit vereinfachten Radaransichten oder klar strukturierten Funkverfahren – die Kontrolle zu behalten. Der Umgang mit unbemannten Luftfahrzeugen wie Drohnen gewinnt an Bedeutung: Neue Systeme zur digitalen Luftraumbewilligung und Überwachung helfen, Drohnen langfristig sicher in den bestehenden Verkehr zu integrieren.
Arbeitsalltag zwischen Routine und Ausnahmesituation
Der Alltag im Tower oder in der Radarkontrolle besteht überwiegend aus Routine: Starts, Landungen, Überflüge – alle nach standardisierten Verfahren. Doch hinter dieser Routine steckt hohe Konzentration: Jede Kursänderung, jede Höhenanpassung, jedes „Cleared to land“ oder „Cleared for take-off“ ist eine sicherheitsrelevante Entscheidung.
Schichten sind klar strukturiert, meist mit Arbeitsblöcken von begrenzter Dauer, gefolgt von Pausen, um Ermüdung vorzubeugen. In Spitzenzeiten – etwa während stark frequentierter Wellen am Morgen und Abend – sind zusätzliche Fluglotsen im Einsatz, die jeweils klar definierte Rollen übernehmen. Situationen wie plötzlich auftretende Gewitter, medizinische Notfälle an Bord, technische Probleme von Flugzeugen oder unerlaubte Drohnen in Flughafennähe können den Routinebetrieb schlagartig verändern und fordern die ganze Erfahrung des Teams.
Fluglotsinnen und Fluglotsen sind damit die unsichtbaren Regisseurinnen und Regisseure hinter jedem Start und jeder Landung. Ihre Arbeit bleibt für Passagiere meist im Hintergrund – doch ohne ihre Entscheidungen im Sekundentakt wäre sicheres, pünktliches und effizientes Fliegen nicht möglich.
Quelle: flughafen.ch-Redaktion
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