Zollhunde am Flughafen: Unverzichtbare Spürnasen für Sicherheit und Kontrolle
von belmedia Redaktion Allgemein Arbeitswelt Betrieb News Sicherheit
Zollhunde gehören zu den wichtigsten Sicherheitsfaktoren an modernen Flughäfen – auch in der Schweiz, wo sie zusammen mit Zoll- und Polizeikräften Schmuggel, Geldwäscherei, Artenschutz-Verstösse und Sicherheitsrisiken eindämmen.
Ihre überlegene Spürnase ermöglicht es, verbotene oder deklarationspflichtige Waren zu entdecken, lange bevor technische Kontrollsysteme an ihre Grenzen stossen.
Aufgaben der Zollhunde am Flughafen
Zoll- und Diensthunde werden an Flughäfen vor allem für vier Einsatzfelder ausgebildet: Rauschgift, Tabakwaren, Bargeld und Artenschutz.
Rauschgiftspürhunde suchen nach Drogen in Koffern, Fracht, Kleidung und an Personen und tragen dazu bei, bereits am Flughafen grosse Mengen illegaler Substanzen aus dem Verkehr zu ziehen.
Bargeldspürhunde schlagen auf Banknoten an und helfen, nicht deklarierte oder verdächtige Geldsummen aufzuspüren, die häufig im Zusammenhang mit Geldwäscherei oder organisierter Kriminalität stehen.
Artenschutzhunde sind auf Produkte aus geschützten Tier- und Pflanzenarten spezialisiert, etwa bestimmte Leder, Felle, Hölzer oder tierische Souvenirs, die unter internationalen Artenschutzabkommen stehen.
Weitere Teams unterstützen beim Aufdecken von illegal eingeführten Heimtieren oder bei Verstössen gegen tierseuchen- und veterinärrechtliche Vorschriften, etwa wenn Hundewelpen ohne korrekte Papiere oder Impfungen eingeführt werden.
Neben den Zollhunden sind an grossen Flughäfen wie Zürich zusätzlich Sprengstoffspürhunde der Polizei im Einsatz, die Flugzeuge, Gepäck und Flughafenbereiche nach Explosivstoffen absuchen. Diese polizeilichen Diensthunde ergänzen die zollfiskalischen Aufgaben um eine sicherheitspolizeiliche Komponente.
So arbeiten Spürhunde im Terminal
Ein typischer Einsatz beginnt unauffällig im Ankunftsbereich oder an den Gepäckbändern, wo Hundeführerinnen und Hundeführer ihre Tiere an Passagieren, Handgepäck und Koffern vorbeiführen. Die Auswahl, welche Flüge oder Gepäckstücke genauer kontrolliert werden, erfolgt anhand von Risikoanalysen, Flugrouten und Erfahrungswerten der Behörden.
Die meisten Zollspürhunde sind passiv arbeitende Hunde: Finden sie eine verdächtige Geruchsquelle, bleiben sie regungslos stehen oder legen sich an der Fundstelle ab und warten auf die Bestätigung durch die Hundeführerin. Aktive Spürhunde zeigen den Fund dagegen durch Kratzen, intensives Fixieren oder Hinsetzen direkt am Gepäckstück an, was insbesondere bei langen Gepäckreihen von Vorteil ist. Um die Motivation der Tiere hochzuhalten, werden regelmässig Trainingsobjekte oder Duftproben in der Umgebung versteckt, sodass die Hunde auch dann Erfolgserlebnisse haben, wenn im realen Einsatz keine Schmuggelware entdeckt wird.
Der Geruchssinn der Hunde ist um ein Vielfaches empfindlicher als technische Detektoren und erlaubt es, mehrere unterschiedliche Zielgerüche gleichzeitig zu unterscheiden. So können Diensthunde etwa parallel auf verschiedene Drogenarten, Tabakprodukte oder artengeschützte Materialien konditioniert werden. Selbst mehrfach verpackte Substanzen in doppelten Böden, Vakuumbeuteln oder Kleidung lassen sich so zuverlässig identifizieren.
Ausbildung und Auswahl der Diensthunde
Zoll- und Diensthunde werden sorgfältig ausgewählt, häufig aus Tierheimen, von Züchtern oder aus Privathaltungen, sofern sie geeignetes Temperament, hohe Spielfreude, Belastbarkeit und Nervenstärke mitbringen. Beliebte Rassen sind vor allem Deutsche und Belgische Schäferhunde, Labradore sowie andere arbeitsfreudige Jagd- und Hütehunde, doch entscheidend ist der individuelle Charakter, nicht die Rasse.
Die Ausbildung erfolgt in spezialisierten Diensthundestaffeln und Ausbildungszentren, in denen die Tiere über mehrere Monate schrittweise an ihre Aufgaben herangeführt werden.
In der Grundausbildung lernen sie, bestimmte Zielgerüche zuverlässig von Alltagsgerüchen zu unterscheiden und ihren Fund eindeutig anzuzeigen.
Parallel dazu wird die Bindung zum Hundeführer aufgebaut, der die Hunde meist von jungem Alter an begleitet und sie in der Regel im privaten Umfeld hält.
In der anschliessenden Praxisphase trainieren die Teams regelmässig an Flughäfen, Grenzübergängen und Warenumschlagsplätzen, um das Suchverhalten auch unter Lärm, Menschenmengen und wechselnden Situationen zu festigen.
Für spezialisierte Artenschutzhunde werden Duftproben geschützter Arten, Leder, Hölzer und anderer Materialien verwendet, die eine saubere Konditionierung ermöglichen. Sprengstoffhunde an Flughäfen trainieren zudem regelmässig in Flugzeugen, in Terminals und Gepäckhallen, damit sie sich im komplexen Umfeld sicher bewegen und ihre Suche präzise durchführen können.
Rechtlicher Rahmen und Einreisekontrollen
Zollhunde bewegen sich in einem rechtlichen Rahmen, der die Kontrolle von Personen und Waren an Grenzen erlaubt und zugleich Grundrechte wie die Privatsphäre schützt. Der Hund zeigt durch sein Verhalten lediglich einen begründeten Verdacht an, während die anschliessende Kontrolle von Gepäck oder Person ausschliesslich durch Zoll- oder Polizeibeamte erfolgt.
In der Schweiz obliegt der Zollbehörde an internationalen Flughäfen auch die erste Kontrolle von Heimtieren, die aus dem Ausland einreisen. Hunde und Katzen müssen je nach Herkunftsland bestimmte Anforderungen erfüllen, etwa Mikrochipkennzeichnung, gültige Tollwutimpfung und korrekte Reisedokumente. Werden Tiere ohne die vorgeschriebenen Nachweise oder in zu jungem Alter eingeführt, können sie zurückgewiesen, in Quarantäne gebracht oder – im Extremfall – beschlagnahmt werden, was dem Tierschutz und der Seuchenprävention dient.
Flughäfen und Behörden informieren Reisende über Zollvorschriften, Freigrenzen und Deklarationspflichten, um Beanstandungen zu vermeiden. Wer dennoch verbotene Waren, nicht deklarierte Bargeldsummen oder geschützte Produkte mitführt, muss damit rechnen, dass ein Spürhund den Verstoss anzeigt und dies zu Beschlagnahmungen, Bussen oder strafrechtlichen Verfahren führt.
Bedeutung für Sicherheit und Wirtschaft
Die blosse Präsenz von Zollhunden an Flughäfen wirkt präventiv, weil sie Schmuggler und Tätergruppen davon abhält, diese Drehkreuze für illegale Aktivitäten zu nutzen. Erfolgszahlen aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen, dass Diensthunde jedes Jahr an hunderten bis tausenden Sicherstellungen beteiligt sind – von Suchtmitteln über geschmuggelte Zigaretten und grosse Bargeldbeträge bis hin zu Fällen von Artenschutzkriminalität.
Für Flughäfen und Airlines bedeutet dies mehr Sicherheit, ein höheres Vertrauen der Passagiere und eine geringere Gefahr von Reputationsschäden durch spektakuläre Schmuggelfälle oder Sicherheitsvorfälle. Gleichzeitig leisten die Tiere zusammen mit ihren Hundeführerinnen und Hundeführern einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Gesundheit, Umwelt und Tierwohl – vom Aufspüren gefährlicher Substanzen bis zur Verhinderung illegaler Tiertransporte.
Quelle: flughafen.ch-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild © YAKOBCHUK VIACHESLAV